Alle reden vom Populismus. Aber nicht jeder meint das gleiche. Populismus ist eine volksnahe und opportunismusgeprägte, manchmal demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage Wähler zu gewinnen. Das hört sich teilweise gut, aber überwiegend doch negativ an. Eine volksnahe Politik ist natürlich sinnvoll, denn das Volk ist ja der Souverän und nicht die Oberen Zehntausend.  

Opportunismus ist nicht schön, aber in der Politik alltäglich. Ein Demagoge ist ein Volksverhetzer. Er hetzt das Volk auf und zwar meist gegen die Oberen Zehntausend. Demagogie findet man in der medialen politischen Diskussion selten, man bewegt sich dann auf Stammtischniveau. Die Dramatisierung der politischen Lage gelingt immer wieder und am liebsten im Wahlkampf. Die Islamisierung des Abendlandes, unsichere außenpolitische Lagen, aber auch dezente Dramaturgien wie drohender Klimawandel, bedrohte innere Sicherheit, drohende Altersarmut und die immer wieder gern beschriebene Schere zwischen Arm und Reich versuchen, die Bürger in Zorn und Angst und Schrecken zu versetzen. Dabei brauchen wir eigentlich keine Angst haben, denn es geht uns gut. Manchmal könnte man meinen: zu gut! Niemand braucht zu hungern, jeder hat eine Wohnung und wir leiden nicht unter Kriegen oder Naturkatastrophen. Wenn wir trotzdem in jeder Talkshow davon hören, dass man die Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen müsse, dann ist das Mitjammern auf allerhöchstem Niveau.
Warum gelingt es aber dann den sogenannten Populisten, das Volk (gemeint ist zur Zeit nur ein kleiner Teil des Volkes) auf die Barrikaden zu bringen? Vielleicht liegt es an unserer Mentalität. Uns fehlt vielleicht das Mediterrane. Wir können uns nicht mittags in die Sonne setzen und den lieben Gott ein guten Mann sein lassen. Eine Siesta geht bei uns schon gar nicht. Stattdessen machen wir working-out, d. h. wir machen uns in einer Muckibude fit for job. Das würde unseren südeuropäischen Freunden glaube ich im Traum nicht einfallen. Deshalb sind sie zufriedener. Sie hecheln nicht von einem Leistungsziel zum anderen und können sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen. Aber auch dort gibt es Populisten, also erfolgreiche Politiker, die dem Volk nicht nur aufs Maul schauen, sondern ihm auch nach dem Munde reden. Vielleicht weil der Mensch verführbar ist, so wie Eva im Paradies. Da kann man dann nur mit Vernunft gegenhalten und daran appellieren, die Welt, in der wir leben, nicht so verzerrt zu sehen. Wir müssen einfach akzeptieren, dass es keinem Volk in Europa materiell besser geht als uns Deutschen.

Dr. Ulrich Zacharias 

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