Offener Brief an Frau Yasmin Fahimi, Generalsekretärin der SPD

Sehr geehrte Frau Generalsekretärin Fahimi,

am 23. Oktober waren Sie im ZDF bei der von Frau Illner moderierten Talk-Runde „Mitreden – Thüringer Wendehälse?“ zu sehen und zu hören. Diskutiert wurde die dortige parteipolitische Situation und die Entscheidung der Partei Die Linke, der SPD und der Grünen, in Koalitionsverhandlungen einzutreten.

Im Zuge der Diskussion kamen Sie bald auf „denkwürdige Vergangenheiten in der Union“ zu sprechen und äußerten dann wörtlich: „ … wie wir wissen, dass die sogenannten Blockflötenparteien ja zum Teil schlimmer waren als die SED-Funktionäre selbst …“.  Ich weiß nicht, woher Sie dieses Wissen nehmen. Ihre Aussage beleidigt Zehntausende von ehrlichen Menschen, die in einem nicht selbstgewählten politischen System leben mussten, die sich 1946 nicht, wie Ihre Partei, die SPD, mit der KPD zur SED vereinigten, sondern gemäß christlichen, liberalen, nationaldemokratischen und bäuerlichen Lebensvorstellungen eine gewisse Selbständigkeit gegenüber der Partei der „Diktatur des Proletariats“ behaupten wollten und das auch bis zum Ende der DDR durchhielten. Ihre Worte, Frau Fahimi, beinhalten für mich, dass Sie offensichtlich die Ausspähungen, Überwachungen, Verfolgungen, Verurteilungen, Quälereien und Hinrichtungen, die in der DDR begangen wurden, auch den Mitgliedern der CDU in der DDR anlasten. Mit dieser Ihrer Aussage, Frau Generalsekretärin, tun Sie den Mitgliedern der CDU in der DDR – für die ich hier explizit spreche – und speziell meinem Vater und mir, bitter Unrecht. Mein Vater war von 1946 bis zu seinem Tod 1974 Mitglied der CDU. Ich bin – vorher parteilos – 1986 in Berlin-Köpenick in die CDU eingetreten. Mein Vater hat nie jemanden denunziert oder sonst wem Schaden zugefügt. Auch ich nehme für mich in Anspruch, meinen Mitmenschen immer geholfen zu haben und ihnen dienlich zu sein, wo es geht.

Die CDU in der DDR war ein Refugium für Christen und Menschen, die sich in ihren, zugegeben beschränkten Wirkungskreisen, für den Erhalt der Schöpfung und für das Wohlergehen der Mitmenschen einsetzten und die oft selbst in das Visier der „Staatsmacht“ gerieten. In jedem Fall wollten sie die Gestaltung ihres gesellschaftlichen Umfeldes nicht nur der „führenden Partei“ überlassen. Sie waren keine – noch schlimmeren – Verfechter dieser Partei, wie aus Ihren unakzeptablen Worten hervorgeht.

Sehr geehrte Frau Fahimi, zu näheren Informationen, wie ein Mensch in der DDR zur CDU kam und welche Arbeit und Aufgaben er verrichtete (und nur verrichten konnte), bin ich gern bereit.

Übrigens: Als ich 1986, durch Perestroika und Glasnost eines Michail Gorbatschow bewogen, in die CDU eintrat, äußerte mein Fachschuldirektor, dem ich meinen Entschluss mitteilte: „Herr Stahr, da haben Sie sich Ihre ganze Zukunft verbaut!“ Soviel zur Stellung einer „Blockpartei“ in der DDR, deren Mitglieder – nach Ihren Worten, Frau Fahimi – „schlimmer waren als die SED-Funktionäre selbst“. Ihr … „ja zum Teil“… relativiert für mich Ihre Grundaussage nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Stahr

Kreisvorsitzender der Senioren Union (SU) der CDU Treptow-Köpenick und stellv. SU-Landesvorsitzender Berlin

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