Gesellschaft in Bewegung

Der Kreisvorsitzende hat das Wort

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich wöchentlich zu Demonstrationen in vielen Städten auf den Weg machen. Angefangen hat es im Herbst in Dresden, inzwischen sind es um die 15 Städte, wo sich größere Mengen an Demonstranten treffen, um ihren Unwillen zum Ausdruck zu bringen. 

Ein Sammelsurium von Problemen wird angeprangert. Hauptziel ist wohl die derzeitige Zuwanderungswelle von Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten, politisch verfolgten aus Nordafrika und Wirtschaftsflüchtlingen aus den Balkanstaaten. Aber auch die Medien werden beschimpft. Lügenpresse - ein übler Begriff aus der dunkelsten Zeit in Deutschland - steht auf den Plakaten. Verständlich ist, dass Menschen, wenn sie etwas zu kritisieren haben, von dem im Grundgesetz garantierten Demonstrationsrecht Gebrauch machen. Sicher gibt es eine Menge Probleme, die gelöst werden müssen. Was an den derzeitigen Demonstrationen neu ist, ist die geschlossene Ablehnung der Art und Weise der Proteste durch alle in den Parlamenten vertretenen Parteien, durch die christlichen Kirchen, die Gewerkschaften, die Arbeitgeberverbände usw.
Den Parteien kann man nicht vorwerfen, dass sie nicht durch Öffentlichkeitsarbeit, Sprechstunden, Themen bezogenen Veranstaltungen und vor allem durch aktive Parlamentsarbeit den Sorgen der Bürger nachgehen. Aber es ist auch wahr, dass alle Parteien darunter leiden, dass die Veranstaltungen nur mäßig von den Bürgern wahrgenommen werden.
An den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten hätte ich zu kritisieren, dass es bei den  vielen Talk-Shows jede Woche den Moderatoren wohl zuerst darum geht, die oft konträr gegenüberstehenden Politiker gegeneinander aufzubringen. Natürlich ist es gut, wenn unterschiedliche Standpunkte ausgetauscht werden. Aber der Bildungsauftrag der Fernsehanstalten besteht doch wohl in erster Linie darin, den Bürgern die komplizierten Vorgänge bei der Gestaltung unserer Gesellschaft zu erklären. Von den Nachrichtensendungen der öffentlich rechtlichen Sender kann man sagen, dass sie diesen Auftrag erfüllen. Bei den Zeitungen ist die Vielfalt größer. Je nach politischer Ausrichtung der Redaktionen gibt es hier natürlich auch sehr unterschiedliche Darstellungen. Da muss jeder selbst mit sich üben, um sein eigenes Bild zu formen. Was mich daran aber immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass viele Bürger keine Zeitung lesen und auch kaum Nachrichten im Fernsehen anschauen. Wie soll man da überhaupt zu einer Meinungsbildung kommen.
Eines haben die Demonstrationen aber doch schon bewirkt. Die Parteien und gesellschaftlichen Formationen denken darüber nach, wie die Kommunikation mit den Bürgern aktiviert werden kann.
Für uns kann das nur bedeuten, dass wir noch mehr in die Öffentlichkeit gehen müssen. Mehr Infostände auf den Straßen und Plätzen, Teilnahme an Veranstaltungen der Bürgerinitiativen, Sportverbände und sonstigen Vereine. Suchen wir alle mehr Kontakt mit den Bürgern und greifen wir die Themen auf, die die Menschen bewegen.
Dazu haben wir zur Zeit die Gelegenheit bei den Parteiwahlen Kandidaten aufzustellen, die es wirklich ernst meinen mit der Arbeit am Volk und mit dem Volk. Letztendlich wollen wir Volkspartei sein.

Ich wünsche Ihnen alles Gute
Ihr Fritz Niedergesäß
Kreisvorsitzender

Inhaltsverzeichnis
Nach oben