Seit Anfang des Jahres gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die erste gute Nachricht: Die Wirtschaft ist nicht zusammengebrochen. So völlig neu und unerwartet ist der Mindestlohn ja auch nicht. In vielen Branchen galten schon früher tarifliche Mindestlöhne. Und solche Tarifverträge konnten durch den Wirtschaftsminister sogar für allgemeinverbindlich erklärt werden. Trotzdem stöhnen viele Arbeitgeber. Weniger über den Mindestlohn, sondern vielmehr über den bürokratischen „Überbau“. Aber der ist natürlich typisch deutsch und deshalb werden wir es überstehen.

Bei der Einführung des Mindestlohns wurden viele Fragen laut, die durch den Mindestlohn nicht beantwortet werden konnten. Was ist ein gerechter Lohn? Ist es gerecht, wenn ein Manager das 100fache seines Chauffeurs verdient? Kann man so gut ausgebildet sein, soviel arbeiten, soviel Verantwortung und Risiko tragen, dass man das 300- oder 400fache des gesetzlichen Mindestlohns erhält? Muss man nach dem Mindestlohn auch Lohnobergrenzen definieren? Ganz bestimmt nicht!

Aber vielleicht besteht eine Relation zwischen dem Gehalt des Chefs und dem seiner Sekretärin oder des Pförtners oder jedes anderen Mitarbeiters. Kann man diese Relation beschreiben, indem man dem Mitarbeiter einen relativen Lohn zuspricht, der beispielsweise 1% des Gehalts seines Chefs beträgt? Das würde bei einem 2-stelligen Millionengehalt des Managers ein 6-stelliges Gehalt seiner Mitarbeiter bedeuten. Die bekommen aber nur ein 5-stelliges Jahresgehalt, also ein Gehalt im Promillebereich ihres Chefs. Kann das auf Dauer gut gehen?

Bislang funktioniert es jedenfalls und wir fahren alle gut damit. Das ständig bemühte Bild von der Schere zwischen arm und reich führt nicht zu anderen Ergebnissen. Die Millionenvermögen, die einige von uns anhäufen oder erben können, kommen meist deswegen zustande, weil wir 70 Jahre keinen Krieg mehr geführt haben. Denn früher haben wir noch in regelmäßigen Abständen alles in Schutt und Asche gelegt. Danach ging es allen gleich schlecht. Das sollte uns jedoch möglichst nie wieder passieren.

Alles in allem können wir und sollten wir zufrieden sein. Denn wenn wir Deutschen es nicht sind, wer soll es denn dann sein? Der Mindestlohn ist gut, die bürokratischen Begleiterscheinungen sind typisch deutsch und deshalb überflüssig.

Dr. Ulrich Zacharias 

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