Grexit oder Dexit?

Ein Zwischenruf

In Europa brodelt es. Nicht in ganz Europa, aber in der Euro-Währungszone. EU- und Eurozone wird allzu oft verwechselt oder nicht ausreichend auseinandergehalten. Die Behauptung, dass mit dem Euro Europa scheitert, ist jedenfalls gewagt und durch nichts belegt. Noch gewagter ist die Theorie, dass Europa scheitert, wenn ein Euroland scheitert. Tatsächlich haben die letzten Rettungspakete für Griechenland die griechischen Banken und damit auch die Banken in anderen Euroländern gerettet. Deshalb wäre ein Grexit für den Euro auch mittlerweile verkraftbar. Aber einen Grexit gibt es natürlich nicht umsonst, denn dann muss die EU Hilfe leisten.

Von manchen Ökonomen und Politikern wird hingegen der Dexit gefordert. Raus aus der Eurozone und zurück zur DM. Deutschland sei zu stark für den Euro!

Und so findet man für jedes denkbare Szenario einen Meinungsvertreter. Aber warum eigentlich? Wir in Deutschland müssen mit dem Euro hochzufrieden sein. Denn wir profitieren von den hinzugewonnenen Chancen wie kein anderes Land. Genau so werden wir vom TTIP-Freihandelsabkommen profitieren. Risiken und Nebenwirkungen gehören allerdings dazu. Griechenland in die Eurowährungszone aufzunehmen, war solch ein Risiko. Die Griechen haben nämlich von vornherein alles frisiert und geschönt, was an Zahlenmaterial verlangt wurde. Die Nebenwirkungen sind jetzt eingetreten. Und sie frisieren und schönen immer noch.

Das ist so und das bleibt im Zweifel so. Denn Europa ist auch ein Europa verschiedener Mentalitäten. Daran werden wir nichts ändern und auch nichts ändern wollen. Wenn die Südeuropäer so werden, wie die Nordeuropäer, wo sollen wir dann Urlaub machen? Es wird uns in Griechenland, Italien und Spanien nicht mehr gefallen, wenn sich die Gastgeber so benehmen wie wir. Dort kann man Fünfe gerade sein lassen. Und das erwartet man jetzt von uns.

Dr. Ulrich Zacharias 

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