Die amerikanische Zeitschrift „Time“ schreibt über Angela Merkel: „…dann hat sich die Bundeskanzlerin im Angesicht der Flüchtlingsströme nicht nur selbst aus dem einschnürenden Blazer der Vorsicht befreit, sondern sie erlöst mit ihrer Menschlichkeit, Güte und Toleranz ganz Deutschland von seiner nationalistischen, militaristischen und völkermörderischen Vergangenheit“.

Nun kann ja jeder, was die Verantwortung Deutschlands in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts anbelangt, zu seinen eigenen Rückschlüssen kommen. Aber an den Verbrechen des Nationalsozialismus kommt keiner vorbei. Auch nicht an den Mauertoten an der „Staatsgrenze“ der DDR oder an den Verbrechen in den Stasigefängnissen von Hohenschönhausen, Bautzen, Waldheim und anderen. Jetzt haben wir die Chance, unsere Menschlichkeit unter Beweis zu stellen. Es ist schon erschreckend, wie teilweise über die Flüchtlinge, egal ob aus den Kriegs- oder Elendsgebieten, gesprochen wird. Von den Brandanschlägen auf die Flüchtlingsheime ganz zu schweigen.

Natürlich kann Deutschland nicht jedes Jahr 1 Mill. Flüchtlinge aufnehmen und integrieren, da ist Europa insgesamt gefordert. Die Beschlüsse der Bundesregierung der letzten Tage bestätigen die Bemühungen um eine wirksame Absenkung der Flüchtlingszahlen. Trotzdem bleibt eine gewaltige Aufgabe für unser wohlstandsverwöhntes Land übrig. In Berlin scheint das alles komplizierter zu sein als in den anderen Bundesländern. Dafür steht der Begriff LAGESO. Was mich irritiert ist, dass allem Anschein nach nur eine Senatsverwaltung für die Bewältigung der Probleme in Berlin zuständig zu sein scheint. Da wird nicht redlich miteinander umgegangen. Politisch Honig aus den Problemen zu saugen ist nun wirklich das Allerletzte.

In unserem Bezirk haben wir schon eine ganze Anzahl von Flüchtlingsunterkünften. Auf der Jahreshauptversammlung des „Forum Adlershof e.V.“ (Wista) haben wir beschlossen, dass sich die Wista aktiv um die Integration von Flüchtlingen auf dem Standort bemühen wird. Dazu werden unter Leitung von Frau Saritas unter Mitwirkung unseres Freundes Dr. Zacharias Informationsveranstaltungen durchgeführt. Die nächste am 17. Februar im Bunsensaal gegen 18 Uhr. Ziel dabei ist, Arbeitsplätze durch die über 1.000 Firmen auf dem Gelände für Migranten bereitzustellen.

Es ist unsere Pflicht als aktive Demokraten an der Lösung der Probleme mitzuarbeiten. Man stelle sich vor, dass viele von den Kriegsflüchtlingen eines Tages wieder in Ihre Heimat zurückkehren wollen und auch werden. Dann haben viele von ihnen vielleicht eine Berufsausbildung abgeschlossen oder ein Studium beendet, deutsch gelernt und können dann aktiv am Aufbau ihrer zerstörten Heimat mitwirken. Wenn wir freundlich und hilfsbereit mit diesen Menschen umgehen, dann werden sie sagen Deutschland ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. In der ganzen Welt wird bestätigt werden, dass Deutschland aus den Irrungen und Wirrungen des letzten Jahrhunderts die richtigen Lehren gezogen hat und ein friedliches und demokratisches Land in Europa ist. Das ist aller Mühen wert. Wir schaffen das.

Fritz Niedergesäß 

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