Je suis Satire?

Ein Zwischenruf

Jan Böhmermann hat’s übertrieben. Und zwar so richtig. Und das auch noch absichtlich. Er wollte den Satirebeitrag von Extra3 toppen. Das ging gründlich in die Hose, jedenfalls gewaltig unter die Gürtellinie. Wer das Schmähwerk (das völlig zu Unrecht als Gedicht bezeichnet wird) gelesen hat, wird entsetzt sein. Nicht alles, was sich reimt, ist wertvoll oder jugendfrei.

Selbstverständlich darf sich Herr Erdogan beleidigt fühlen. Dass er momentan nicht zu den Lieblingsstaatsoberhäuptern der Deutschen zählt, ändert daran nichts. Nun rufen alle, dass der Majestätsbeleidigungsparagraph weg müsse. Ausländische Staatsoberhäupter könnten nicht schwerer beleidigt werden als Hinz und Kunz. Das ist natürlich Unsinn. Die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes kann zu erheblichen diplomatischen Krisen führen. Und denken Sie daran, was Sie empfunden haben, als Frau Merkel in griechischen Blättern mit Hakenkreuz und Oberbärtchen dargestellt wurde.

Dass die Presse in dem Fall Böhmermann einen solchen Sympathiedruck erzeugen konnte, zeigt, dass in Deutschland nicht nur drei Gewalten das Sagen haben. Aber natürlich hat Frau Merkel vollkommen Recht, wenn sie entscheidet, dass die Feststellung der Strafbarkeit Angelegenheit der Justiz ist.

Nun werden sich die Gerichte darüber Gedanken machen, wie weit Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit gehen. Ich hoffe, dass Schrumpelklöten und Ziegenficker nicht zum akzeptablen und beleidigungsfreien Wortschatz gezählt werden. Auch die anderen sprachlichen Verirrungen des Herrn Böhmermann nach dem Motto: „Je tiefer die Schublade, desto lauter der Applaus!“, sollten als dass eingestuft werden, was sie sind: mißachtende und verachtende Äußerungen.

Erschüttert war ich über einige Beistandsbekundungen anderer „Künstler“. Vielleicht sollten wir nicht nur den Flüchtlingen, sondern auch den Medienschaffenden Rechtskunde – wenigstens in Grundzügen - vermitteln.

Dr. Ulrich Zacharias

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