Die Briten haben es getan. Sie haben sich gegen Europa entschieden. Oder besser gesagt gegen die EU. Sie wollen nicht mehr mitmachen. Nun war der Aufschrei groß. Im Vorfeld des Referendums soll viel gelogen worden sein. Das erinnert an Wahlen und gehört zu den Risiken und Nebenwirkungen von Demokratien.

Konsequenzen haben die Briten noch nicht gezogen, noch nicht einmal den Austrittsantrag gestellt. Wahrscheinlich steckt ihnen der Schrecken noch zu sehr in den Gliedern. Weil der Ausgang des Referendums schlecht für das Land ist, rumort es gewaltig in den beiden großen Parteien. In Großbritannien wird es auch weiter rumoren. Die Schotten haben anders entschieden und streben die Unabhängigkeit an. Die Nordiren haben anders entschieden und wollen sich der Republik Irland anschließen und Gibraltar möchte zukünftig lieber zum Königreich Spanien gehören. Übrigbleiben wird dann Klein-Britannien mit einer Hauptstadt London, deren Bewohner die Konsequenzen des Brexit am ehesten ertragen müssen, das aber nicht wollen. Also alles in Allem ein Riesenschlamassel.
Was bedeutet der Brexit für die EU? Wirtschaftlich wird man sehr wenig spüren. Politisch wird sich die Lage ebenfalls beruhigen. Wenn in einer Schulklasse der größte Störenfried sitzen bleibt, ist das nach zwei Wochen im neuen Schuljahr auch schon wieder vergessen. Natürlich geht es auch ohne Großbritannien in der EU weiter. Die EM ist ja auch ohne Holland ausgekommen. Es muss sich wegen des Brexit in der EU auch nichts ändern. Weder muss sie vertieft werden, noch muss sie erneuert werden. Sie ist ein Erfolgsprojekt, an dem alle unbeirrt festhalten sollten. Wenn man sich hin und wieder an das Subsidiaritätsprinzip erinnert, wird man zwangsläufig Fortschritte machen.
Der wichtigste Grund für das Festhalten an der EU sind Frieden und Freiheit in Europa. Dass darüber hinaus die Mitglieder wirtschaftliche Vorteile haben, ist eine positive Nebenwirkung, die den Briten demnächst abhanden kommt. Und wenn sich Schottland und Irland abspalten, werden Cameron und Johnson und andere Beteiligte sich wünschen, in den Geschichtsbüchern nur kleingedruckt erwähnt zu werden. 

Dr. Ulrich Zacharias

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