Offener Brief an Frau Bezirksverordnete Jenna Behrends

Teil II

Sehr geehrte Frau Behrends,
beunruhigt Sie die Häme nicht, die aufgrund Ihres Offenen Briefes der CDU in den Medien entgegenschlug? Glauben Sie wirklich, daß Sie der CDU gutgetan haben? Nochmals: die Bezeichnung für Ihre 3-jährige Tochter als „Kleine süße Maus“ ist sicherlich zutreffend. Wenn Sie dann als danebenstehende Mutter in gleicher Form vom CDU-Landesvorsitzenden Frank Henkel mit dem geänderten Adjektiv „Große“ angeredet wurden, dann ist das nicht nur für mich nicht „sexistisch“, sondern – kann man das nicht auch so auffassen? – eine, Sie mit Ihrer Tochter gleichsetzende Höflichkeit, um Ihnen das Gefühl zu geben, nicht hinter Ihrer Tochter „zurückzustehen“.

Frank Henkel hat bestimmt nicht geahnt, in welches „Fettnäpfchen“ er bei Ihnen treten könnte. Der Anlaß war nichtig! Sie haben aus einer „Mücke einen Elefanten gemacht!“ War das nötig? Man kann auch manches übertreiben! Oder hat Sie doch die Sucht nach Öffentlichkeit getrieben? Ich „zerbreche mir den Kopf“ über Ihre Motive!

Und noch eines, sehr geehrte Frau Behrends: als Parteimitglied sind Sie Teil eines großen Ganzen und stehen auch in der Verantwortung, dem Ruf der eigenen Partei keinen Schaden zuzufügen. Da heißt es manchmal „zweimal überlegen“, bevor man den Mund auftut! In der Öffentlichkeit wird besonders die CDU von medialen „Hyänen“ beäugt und belauert, die nur darauf warten, daß sie etwas „aufschnappen“ können, um dann den oder die Menschen hinter Wort und Tun wollüstig zu (zer)beißen! Sicher: es ist als Parteimitglied nicht immer einfach – besonders, wenn man sich noch in der jugendlichen „Sturm-und-Drang-Zeit“ befindet – erst die Folgen von Gefühl und Gedanken zu überlegen und dann sich zu äußern! Mein Rat: „nicht gleich mit dem Kopf durch die Wand und juchei! kopfüber hinein in die Boulevardblätter!“ Als Parteimitglied muß man sich auch einfügen können – oder es lernen. Das ist nicht „kuschen“, nicht „ich darf keine eigene Meinung mehr haben“. Im Gegenteil. Eine Partei lebt durch Mitglieder mit eigenen Meinungen, durch engagierte Mitarbeit und das besonders durch junge Leute wie Sie, sehr geehrte Frau Behrends. Wirken Sie innerhalb der Parteistrukturen mit, daß Ihre Meinung durchgesetzt und es zu – Ihrer Auffassung nach – notwendigen Veränderungen in Programm und Verhalten der Mitglieder kommt. Aber lassen Sie dabei um Gotteswillen doch die Boulevardmedien aus dem Spiel! Und noch etwas! Ich bitte Sie um Gemeinsamkeit von jung und alt! Nicht „hier bin ich und nur ich sehe und mache alles besser!“ Weg „ihr alten Männer von gestern!“, wie im despektierlichen Unterton auch eine Ihrer Formulierungen im Morgenpost-Interview lautet. Vergessen Sie nicht, daß die „alten Männer“ (und übrigens auch Frauen: Louise Schröder, Rita Süßmuth, Hanna Renate Laurien u.v.a.) mit ihrer Kraft und Politik dieses Deutschland erst zu dem freiheitlichen, wohlhabenden und in der ganzen Welt geschätzten Staatswesen gemacht haben, wodurch es allen Menschen hier doch recht gutgeht, ich sage: so gut wie nie zuvor unseren Eltern und Großeltern! Sehr geehrte Frau Behrends, verachten Sie mir darum nicht die „alten Männer“ (und Frauen!). Sie persönlich empfinden die obige freundliche Bemerkung von Frank Henkel als „sexistisch“. Muß ich, der über Achtzigjährige, dann nicht auch Ihre „Alte Männer“-Formulierung als „altersdiskriminierend“ empfinden? Wie gesagt, jung und alt miteinander – in gegenseitiger Achtung „an einem Strang ziehend“– ergibt die richtige Symbiose. Ihr Schritt, 2015 der CDU beizutreten, war richtig. Doch haben Sie auch Geduld! Bringen Sie sich im Ortsverband, im Kreisverband, jetzt in der BVV, auch in der Frauenunion aktiv und ideenreich ein. Machen Sie sich – step by step – einen Namen. Verprellen Sie aber dabei nicht diejenigen, die schon jahrelang, jahrzehntelang die Kärrnerarbeit der Parteibasis tragen. Wenn Sie weitere Verantwortung übernehmen und die CDU gestalten wollen, dann geht das nur mit Rückhalt in der Gemeinschaft, mit Unterstützung von Freunden, die man finden muß, von Gleichgesinnten, die man dazu überzeugen kann, es zu werden. Dazu gehören Geduld und viel Kleinarbeit. Auch das Plakatekleben! Aber keine öffentlichen, „medienwirksamen“ Angriffe auf Parteifreunde und Präsentationen von persönlichen Befindlichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Brigitte Stahr, Vorstandsmitglied der Frauen-Union Treptow-Köpenick
Ulrich Stahr, Kreisvorsitzender der Senioren-Union Treptow-Köpenick
 

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