Evangelischer Bischof predigt in Bohnsdorf

Nach über 50 Jahren war es wieder soweit: der evangelische Landesbischof Dr. Markus Dröge feierte am 23. März einen Gottesdienst in der Bohnsdorfer Dorfkirche. Der letzte Besuch – damals war es Otto Dibelius – war 1957 und von allerhand Störaktionen der Staatssicherheit begleitet. Sowohl Bischof Dröge als auch der Gemeindepfarrer Ulrich Kastner (Bohnsdorf-Grünau) erinnerten an diese Situation der Kirche in der DDR.

Die christlichen Kirchen sind unter Druck, sie verlieren Mitglieder, andere zweifeln an der Zukunftsorientierung der Kirchen. Dr. Dröge verwendete in seiner Predigt mit ausdrücklichem Verweis auf die Bohnsdorfer Kirche starke Bilder für die Situation kirchlichen Lebens. So wie Kirche in der Mitte Bohnsdorfs seit Jahrhunderten erfahrbar ist und mitten im Leben steht, um sie herum beispielsweise zu DDR-Zeiten staatliche Ablehnung und Druck spürbar waren, so ist sie aber auch immer mit Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern Bezugspunkt der Menschen auf ihrem Lebensweg gewesen. Dadurch besteht die Möglichkeit, „unsere Augen auf Gott“ zu richten. Ähnlich legt er den Weg des alttestamentarischen Propheten Elia aus, der sich durch das Verhalten des jüdischen Volkes für gescheitert hält und (ver-)zweifelt. Aus seiner Todessehnsucht heraus bricht er stattdessen nach der direkt erlebten Begegnung mit Gott zu neuen Aufgaben auf. Bischof Dröge betonte, dass Elia Mut macht, Zweifel ehrlich zuzulassen, aber auch die Augen auf Gott zu richten, der sich mitten im Leben finden lässt – eben so, wie in der Bohnsdorfer Geschichte die Kirche.

Pfarrer Kastner kündigte übrigens ein in Kürze erscheinendes Buch der Autorin Kara Huber über Berliner und Brandenburger Dorfkirchen an, in dem ein Beitrag auch der Bohnsdorfer Kirche gilt und Bischof Dröge diese würdigt.

Volker Scharlowsky

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